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Freie Presse, Dienstag 22.01.2013

Bäume für Geburtshaus-Babys: In Israel entsteht ein Olivenhain Hebamme und Leiterin des Geburtshauses "Glühwürmchen" 

Foto: Privat
Auf Initiative der Annaberger Einrichtung werden am Donnerstag 250 Gewächse nahe Jerusalem gepflanzt
Annaberg/Crottendorf.
 Es ist ein weit verbreiteter Brauch, für ein Neugeborenes ein Bäumchen zu pflanzen. Auch für die kleine Leefke Dienewald haben ihre Eltern das im heimischen Garten in Marienberg getan. Am Donnerstag kommt für das mittlerweile eineinhalb Jahre alte Mädchen aber ein weiterer Baum in die Erde - allerdings in Israel. Nahe Jerusalem werden für 250Kinder, die im erzgebirgischen Geburtshaus "Glühwürmchen" seit dessen Eröffnung das Licht der Welt erblickt haben, Olivenbäume gepflanzt. Leefkes Eltern unterstützen die Aktion wie viele andere aus dem Erzgebirge, aber auch darüber hinaus. Wieso in Israel? Das hat verschiedene Gründe, sagt Tamar Küchler, die Betreiberin des Geburtshauses in Annaberg-Buchholz. Die Idee des Pflanzens an sich gibt es schon seit der Eröffnung der Einrichtung 2007 - damals noch in Crottendorf. Doch die Suche nach einer passenden Fläche blieb erfolglos. "Schließlich soll ja ein ganzer Wald daraus werden", schildert die Hebamme. Israel wurde es dann unter anderem wegen ihres christlichen Glaubens und ihrer Liebe zu dem Land. Das hat sie zum Beispiel durch die Teilnahme an einem Halbmarathon kennengelernt. In Zusammenarbeit mit einem israelischen Freund entstand schließlich die Idee, die Bäumchen für deutsche Kinder gemeinsam mit Überlebenden des Holocaust zu pflanzen. "In Deutschland wurde Millionen Juden das Leben genommen. Unsere Aktion soll für das Leben stehen", sagt die Crottendorferin. Deshalb sind am Mittwoch auch etwa 60Zeichnungen von Kindern der dortigen Grundschule und der Montessori-Grundschule Annaberg mit im Gepäck, wenn Tamar Küchler und ihre Kollegin Stefanie Rößler nach Israel fliegen. Jugendliche und Erwachsene haben persönliche Zeilen auf Karten geschrieben. Vor Ort ist alles vorbereitet, wie Bilder zeigen. Darum gekümmert hat sich vor allem Doron Schneider, der als Kind mit seiner Familie von Deutschland nach Israel ausgewandert ist und seitdem dort lebt. Die Bäume werden in entsprechend aufbereitetes Land in der Wüste nahe Jerusalem gepflanzt, schreibt er per E-Mail. Das soll am Donnerstag im Beisein von 50 Juden geschehen, die den Holocaust überlebt haben. Manchen seien vor Rührung die Tränen gekommen, als sie von der Idee hörten, berichtet der 45-Jährige, der für die Internationale Christliche Botschaft Jerusalem arbeitet. 34 Euro kostet ein Bäumchen inklusive Tropfpflege. "Vor Ort wird sich jemand darum kümmern", sagt Hebamme Tamar Küchler. Ihr Ziel ist, dass weitere Pflanzaktionen für die Babys des einzigen Geburtshauses im Erzgebirgskreis folgen. Werden später Oliven geerntet, soll in Israel selbst "etwas Gutes damit gemacht werden". Dieser Ansatz war es auch, der die Eltern von Leefke Dienewald in Marienberg überzeugte, einen Baum zu sponsern. "Dass Menschen in Israel einmal die Oliven nutzen können, ist ein schöner Gedanke", sagt Anke Dienewald. Dass der Vorname ihrer Tochter und ihr Geburtsjahr dort künftig an einem Bäumchen zu lesen sind, sei dabei gar nicht so wichtig. Bislang wurden mehr als 200 Pflanzen von Eltern und Sponsoren finanziert, die anderen vom Geburtshaus. erschienen am 22.01.2013 ( Von Annett Honscha )